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Kinder in der Produktion: die Textilindustrie

Kinder in der Produktion: die Textilindustrie

Zu Beginn eine gute Nachricht: seit den 90er Jahren gibt es einen Rückgang von Kinderarbeit in Nähereien. Ein Abwärtstrend ist also erkennbar. Damit ist das Problem aber noch lange nicht gelöst. 
In den produzierenden Ländern und auch von den Auftraggebenden wird Kinderarbeit zwar meist verboten, doch Menschenrechtsaktivist:innen und Gewerkschaften decken in Fabriken und auf Baumwollfeldern immer wieder Kinderarbeit auf. Stark betroffene Länder sind zum Beispiel Indien, Pakistan, Bangladesch und Subsahara-Staaten wie Mali, Sudan und Somalia.

Die Europäische Union verfolgt im Kampf gegen Kinderarbeit einen deutlich strengeren Ansatz als viele produzierende Länder. Gesetze wie die “EU-Richtlinie zum Schutz von Jugendlichen am Arbeitsplatz” verbieten grundsätzlich Kinderarbeit. Für Produkte, die “Made in EU” hergestellt und verkauft werden gibt es noch weitere Richtlinien und Maßnahmen, an die sich die EU-Produktionsländer halten müssen. Außerdem soll das EU-Lieferkettengesetz europäische Unternehmen dazu verpflichten Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen und unter anderem Kinderarbeit zu verhindern.
 
Doch warum ist es so schwierig Kinderarbeit zu unterbinden? In anderen Ländern gelten weniger strenge Richtlinien und Gesetze. Dadurch sind Kinder weniger geschützt. Außerdem gelten andere wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen. Und dann wäre da noch der große Faktor Armut. Viele Kinder kommen aus extrem einkommensschwachen Familien und sind gezwungen, etwas dazu zu verdienen. 
Unter nicht menschenwürdigen Bedingungen schuften sie in Spinnereien, Webereien und pflücken Baumwolle auf Plantagen. Die Arbeitsbedingungen ähneln moderner Sklaverei und sind geprägt von körperlicher Gewalt, sexuellen Übergriffen und Hungerlöhnen. In der Folge werden die Kinder psychisch und physisch krank. Sie verletzen sich an Maschinen oder atmen Giftstoffe und Pestizide ein. Trotzdem müssen sie weiterarbeiten. An den Besuch einer Schule ist dabei gar nicht zu denken. 

Kinderarbeit findet in verschiedenen Bereichen der Textilindustrie statt. Nicht nur unsere Kleidung wird oft von Kindern hergestellt. Auch bei Heimtextilien und Teppichen findet Kinderarbeit statt. 
Für uns Konsument:innen gibt es verschiedene Siegel oder auch Organisationen, auf die wir beim Kauf von Kleidung und anderen Textilien achten können. Diese setzen sich für verbesserte Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte für Arbeiter:innen ein. Für einige spielt Nachhaltigkeit ebenfalls eine wichtige Rolle, etwa beim Anbau von Baumwolle, der Einhaltung verschiedener Umweltstandards und der Verarbeitung der Textilien. Gemeinsam haben die Siegel, dass sie ausbeuterische Kinderarbeit deutlich verbieten. 
Allerdings stehen diese auch immer wieder in Kritik. Grund dafür sind unter anderem schlecht durchgeführte Audits oder keine vollständigen Kontrollen der Liefer- und Produktionsketten. Leider haben auch Kontrollen Grenzen. Vielmehr sollten wir die Siegel als Orientierung verstehen und nicht als Garantie. 

Gängige Siegel sind zum Beispiel Global Organic Textile Standards (GOTS), Cotton Made in Africa, Grüner Knopf, Fairtrade und B Corp.
Eine B Corp ist ein von B Lap zertifiziertes Unternehmen. Das Unternehmen verpflichtet sich zu hohen ökologischen und sozialen Standards, auch in Bezug auf Transparenz und Verantwortlichkeit.
Bei der Fair Wear Foundation handelt es sich um eine Organisation, die Unternehmen und deren Umgang mit Arbeitsrechten in der Lieferkette zertifiziert.
Mehr über die verschiedenen Siegel und Organisationen erfahrt ihr auf den jeweiligen Webseiten. Oder ihr bleibt auf unserem Blog auf dem neuesten Stand, denn wir wollen das Thema in Zukunft nochmal genauer unter die Lupe nehmen. 

Neben dem Beachten von Siegeln gibt es auch andere Möglichkeiten für uns Verbraucher:innen um Kinderarbeit bestmöglich zu meiden. Bewusstes Einkaufen von qualitativ höheren Textilien unterstützt die Nachhaltigkeit der Produktionssysteme. Auch Second Hand einkaufen trägt dazu bei, den Druck auf Produktionsketten zu verringern, da die Nachfrage nach neu produzierter Kleidung sinkt. Ebenso lohnt es sich, Unternehmen zu unterstützen, die ihre Lieferketten und Produktionsstandorte transparent offenlegen und sich klar gegen Kinderarbeit positionieren.
Hinter jedem Kleidungsstück stehen Menschen. Mit einem bewussteren Konsum von Kleidung und anderen Textilien können wir dazu beitragen, die Rechte von Kindern weltweit zu stärken.

 

von Cleo Heimsoth