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Textilmüll - Günstige Mode mit teuren Folgen

Altkleider vor einem überfüllten Altkleidercontainer

Kleidung hat sich immer weiter zum Wegwerfprodukt entwickelt. Dabei treiben kurzlebige Modetrends und Niedrigpreise die Fast Fashion Industrie an. Gespart wird bei Materialien und Verarbeitung, wodurch die Lebensdauer der Kleidung kürzer wird und sie schneller im Altkleidersack landet. Nicht selten wird auch neue, ungetragene Kleidung aussortiert.

Die ideale Vorstellung wäre, dass die ausrangierte Kleidung gespendet, weiterverarbeitet oder recycelt wird. In der Realität ist das leider durch die mangelhafte Qualität nicht immer möglich. Eine Wieder- oder Weiterverarbeitung ist oft ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Kleidung aus Stoffgemischen besteht, die schwer voneinander zu trennen sind.  Dadurch wird der Recycling-Prozess weiter verkompliziert.  
Unterschieden wird zwischen zwei gängigen Recycling-Methoden - werkstofflich und rohstofflich. Kurz und knapp gesagt, bleiben beim werkstofflichen Textilrecycling die Fasern erhalten. So können neue Fasern oder Textilprodukte entstehen. Beim rohstofflichen Recycling werden die Fasern chemisch in ihre Grundbestandteile zerlegt. Rohstoffliches Recycling ist um einiges energieintensiver und wird deshalb weniger eingesetzt. 
Auch Farbstoffe, Beschichtungen und Accessoires wie Knöpfe oder Reißverschlüsse erschweren das Recycling. Leider kann deswegen nicht jedes Kleidungsstück wieder zu neuer Kleidung werden. Stattdessen entstehen heute fast ausschließlich Produkte mit geringerer Qualität. 

Kleider, die in reichen Ländern wie Deutschland weggeschmissen werden, sind  oft Exportware für ärmere Länder. Wir sind unsere Altkleider los, doch im Ausland werden diese zum ernsthaften Problem für Mensch und Umwelt. Oft befindet sich Plastik in den Stoffen und synthetische Fasern brauchen mehrere hundert Jahre um zu verrotten. Gelangt Textilmüll ins Meer, richtet er dort noch größeren Schaden an. Leichte Stoffe schwimmen an der Wasseroberfläche, wo sie sich in den Mengen an Plastikmüll verfangen und anschließend wieder an Land gespült werden. Schwerere Textilien sinken, steigen irgendwann wieder auf und werden von der Meeresströmung hin und her geschleudert, wobei sie lange Geflechte bilden. Für Tiere ist das besonders gefährlich. Sie verheddern sich in den Strängen und können sich nicht mehr frei bewegen oder fliehen. Kunstfasern verfallen zu Mikroplastik, welches sich in der Nahrungskette anreichert. Auch größere Fasern und Stoffreste können von Meeresschildkröten, Fischen, Walen oder Vögeln als Nahrung verwechselt werden. Sollten sie diese fressen, verstopft das die Mägen oder führt zu inneren Verletzungen. Das Sättigungsgefühl wird vorgetäuscht, sodass die Tiere verhungern.

Die Atacama-Wüste in Chile verdeutlicht die Folgen globalen Textilmülls besonders eindrucksvoll. In Südamerika ist Chile der größte Importeur von Altkleidern. Jährlich werden mehrere zehntausend Tonnen importiert. Die besten Stücke werden von Händlern aussortiert. Die restlichen rund 40% landen auf dem Müll in der Wüste. Sammler:innen durchsuchen den Kleidermüll nach Textilien, die sie noch selbst nutzen oder verkaufen können. 

Nachhaltig ist die Modeindustrie nicht. Um im eigenen Alltag etwas zu verändern, können wir damit anfangen, bewusster einzukaufen. Mehr auf Qualität statt Quantität setzen. In der Folge kann Kleidung länger genutzt werden. Dann lohnt Reparieren auch. Bevor ein Stück ersetzt wird, macht es Sinn zu hinterfragen, ob beispielsweise ein Knopf einfach neu angenäht oder ein Schuh neu besohlt werden kann. Repair-Cafés und Upcycling-Workshops sind ebenfalls eine tolle Idee, wenn ihr selbst anpacken möchtet. Dort bekommt ihr entsprechende Materialien und natürlich auch Unterstützung. Übrigens finden in der KlaMotte in Zusammenarbeit mit Annika regelmäßig Repair- und Upcycling-Events statt. 

Wir haben gelernt, dass ein erheblicher Teil aussortierter Kleidung weltweit exportiert wird und letztlich auf Müllhalden landet. Alternativ zu Altkleidercontainern kann aussortierte Kleidung auch im Second Hand Laden eures Vertrauens oder direkt bei sozialen Stiftungen wie der Caritas oder dem Deutschen Roten Kreuz abgegeben werden. 
Nachhaltiger Konsum beginnt schon vor dem Kauf. Weniger zu konsumieren ist immer nachhaltiger als viel zu spenden. Kleidungsstücke, die bewusst ausgewählt, gepflegt, repariert oder weitergegeben werden, sparen Ressourcen und reduzieren die Massen an Textilien, die als Müll im Ausland landen. 

 

von Cleo Heimsoth